Man zieht nicht einfach um. Man nimmt ein halbes Leben mit und lässt ein halbes zurück, und keiner sagt einem vorher, welche Hälfte schwerer wiegt. Die einen kommen mit sechzig an die Ägäis, um endlich Zeit zu haben, und stellen fest, dass Zeit eine unheimliche Sache ist, wenn niemand sie mit einem teilt. Die anderen sind in Duisburg oder Stuttgart groß geworden, Kinder und Enkel derer, die man einst Gastarbeiter nannte, und merken nach der Rückkehr, dass die Türkei ihrer Eltern nur in deren Erzählungen existierte.
Wieder andere sind der Liebe wegen gekommen. Sie haben eine Schwiegermutter bekommen, die jeden Sonntag mit am Tisch sitzt, eine Sprache, die sie im Supermarkt gut und im Streit gar nicht beherrschen, und einen Menschen, der sich im eigenen Land plötzlich anders benimmt als damals in Köln. Und manche sind nur für ein paar Monate da, beruflich, und tragen etwas mit sich, das sich nicht in Monaten erledigen lässt.
Heimweh hat zwei Richtungen. Wer in Izmir Sehnsucht nach dem grauen Novemberlicht über der Isar hat, wird in München irgendwann die Bougainvillea vermissen. Das ist keine Krankheit. Aber es kann ein Leben schwer machen, wenn niemand da ist, der beides kennt – das eine Ufer und das andere.
Zwei Grammatiken des Lebens
Viele Konflikte zwischen Deutschen und Türken, zwischen Eltern und ihren in einem anderen Land aufgewachsenen Kindern, zwischen zwei Liebenden aus zwei Welten sind keine Fragen des Charakters. Sie sind Übersetzungsfehler. Der eine kommt pünktlich und fühlt sich missachtet, weil niemand bereit ist; der andere hat drei Stunden gekocht und fühlt sich missachtet, weil der Gast nach einer Stunde geht. Beide haben recht, jeder in seiner Grammatik.
Hier setzt die Positive und Transkulturelle Beratung und Psychotherapie nach Nossrat Peseschkian an, in der ich mich weitergebildet habe und mit der ich seit Jahren arbeite. Sie fragt nicht zuerst, wer schuld ist, sondern welche Fähigkeit hinter einem Verhalten steht und in welcher Kultur sie gelernt wurde. Aus dem Vorwurf „Du bist unzuverlässig“ wird die Frage: „Was bedeutet Zeit für dich, und was bedeutet sie für mich?“ Oft genügt dieser Perspektivwechsel, damit zwei Menschen einander wieder sehen, statt nur ihre Unterschiede. Kulturelle Verschiedenheit ist dann keine Bedrohung mehr, sondern ein Reichtum, den man erst entdecken muss – wie eine zweite Sprache, in der man plötzlich Dinge sagen kann, für die die erste kein Wort hatte.
Worüber hier oft gesprochen wird
- Einsamkeit und Heimweh nach der Auswanderung
- Rückkehr nach Deutschland – oder die Frage, ob man überhaupt zurück kann
- Deutschtürkische Identität: ‚Almancı‘ hier, ‚Ausländer‘ dort
- Binationale Ehen, Schwiegerfamilien, Erwartungen und Loyalitäten
- Kinder zwischen zwei Schulsystemen und zwei Sprachen
- Altern in der Fremde, Pflege der Eltern aus der Ferne
- Trennung und Scheidung über Ländergrenzen hinweg
- Trauer um Menschen, die in dem anderen Land gestorben sind
Nützliches für Deutsche in Izmir
- Auswärtiges Amt
Reise- und Sicherheitshinweise, Konsularisches - Deutsches Generalkonsulat Izmir
Pässe, Beglaubigungen, Notfälle - Aktueller Euro – Türkische Lira Kurs
Wechselkurs auf einen Blick - Großstadtgemeinde Izmir
Die Stadtverwaltung auf Deutsch